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Sein Herz schlug bereits im Takt der U-Bahn, lange bevor er überhaupt aussteigen musste.

Jeder Stationsname, der über die Lautsprecher kam, fühlte sich an wie ein Countdown, den er selbst gestartet hatte, ohne zu wissen, ob er ihn wirklich stoppen wollte.

 

Im Zug hatte er die Hände zwischen die Oberschenkel geklemmt, weil er sonst nicht aufgehört hätte, mit dem rechten Zeigefinger nervös an der Naht seiner Jeans zu reiben.

 

Links neben ihm saß eine Frau mit Kopfhörern und scrollte ungerührt, sie hatte keine Ahnung, dass der Mann zwei Plätze weiter gerade versuchte, nicht zu hyperventilieren, weil er in knapp 18 Minuten vor einer Tür stehen würde, hinter der eine Frau wartete, die ihn vermutlich mit einem einzigen Blick auseinandernehmen konnte.

 

Er hatte den Termin vor zehn Tagen geschrieben. Drei Sätze. Höflich. Fast schon zu devot schon im Text. Ihre Antwort kam 40 Minuten später, kühl, und fordernd. Genau zwei Zeilen. Und trotzdem hatte er danach drei Nächte fast nicht geschlafen.

 

Jetzt stieg er aus. Bahnhofsausgang West, die Rolltreppe hoch, kalter Wind schlug ihm ins Gesicht. Januar. Zu kalt für die dünne Jacke, die er gewählt hatte, weil er dachte, sie würde ihn „unscheinbarer“ machen. Lächerlich. Als ob irgendjemand ahnen könnte, warum er hier war.

 

Die letzten 700 Meter zu Fuß. Er zählte die Schritte nicht, aber er zählte alles andere: Wie oft er schluckte. Wie oft sein Blick zum Handy wanderte (19:43 Uhr – noch sieben Minuten). Wie oft er sich fragte, ob er einfach umdrehen könnte. (42-mal, schätzte er.)

 

Die Straße wurde ruhiger. Altbauten, hohe Fenster, Stuck. Diskret. Teuer. Genau die richtige Adresse für sowas. Sein Magen zog sich zusammen, als wäre er plötzlich zu klein für all die Luft, die er einatmete.

 

Und dann stand er davor.

 

Das Haus sah aus wie jedes andere in der Reihe, nur die Türklingel war anders. Kein Namensschild. Nur ein kleines, graviertes Messingschild, kaum größer als eine Visitenkarte:

 

Privat

 

Darunter der winzige, goldene Knopf.

Und darüber die Tür. Schwarz. Lackiert. Makellos. Die Klinke war tatsächlich aus massivem Gold, wie sie es in ihrer Mail geschrieben hatte. Kein kitschiges Gold, sondern kaltes, schweres, altes Gold. Das Licht der Straßenlaterne brach sich darin und warf kleine gelbe Reflexe auf seine zitternden Finger.

 

Er stand da. 30 Sekunden. Vielleicht 40. Sein Daumen schwebte schon über dem Klingelknopf, zog sich aber immer wieder zurück, als hätte der Knopf selbst eine Temperatur von minus 15 Grad.

 

Alles in ihm schrie gleichzeitig: Lauf weg. Klingel endlich. Du hast dafür bezahlt. Du willst das. Du hast Angst. Genau deshalb willst du es.

 

Sein Atem ging flach und schnell. Er schmeckte Metall im Mund, wahrscheinlich hatte er sich auf die Innenseite der Wange gebissen, ohne es zu merken.

 

Dann, fast ohne dass er es bewusst entschied, berührte sein Fingerknöchel den goldenen Knopf.

 

Ein leises, sehr dezentes Klick. Und sofort als hätte jemand nur darauf gewartet, summte der Türöffner.

 

Nur ein einziger, klarer Befehl: Komm rein!

 

Er zog die schwere Tür auf. Der Geruch von altem Parkett, Leder und einem Hauch von Weihrauch schlug ihm entgegen. Und dann hörte er sie.

 

Nur ein einziges, ruhiges Wort aus dem Halbdunkel des Flurs:„Tür zu! Abschließen! Jetzt.! 

 

Er zog die schwere Tür hinter sich ins Schloss. Das Geräusch hallte im hohen Flur wider wie ein endgültiges Urteil. Der Riegel klickte laut, mechanisch, unbarmherzig.

 

„Schuhe aus! Jacke an die Garderobe! Alles andere folgt gleich.“

 

Ihre Stimme kam aus dem Halbdunkel links, ruhig, aber mit dieser besonderen Kante, die keinen Widerspruch duldete. Er sah sie noch nicht richtig, nur die Silhouette hoher Stiefel, das leise Knarren von Leder, als sie einen Schritt machte.

 

Er gehorchte zitternd. Schuhe zuerst (die Schnürsenkel wollten plötzlich nicht aufgehen). Jacke. Dann, weil sie nichts weiter sagte und einfach wartete, begann er, sich weiter auszuziehen. Hemd. Unterhemd. Jeans. Socken. Slip. Jedes Kleidungsstück landete ordentlich gefaltet auf dem kleinen Hocker, den sie mit einem Nicken anwies. Seine Hände zitterten so stark, dass die Jeans fast herunterfiel, bevor er sie falten konnte.

 

Nackt stand er da. Die kühle Luft des Flurs strich über seine Haut und ließ jede Pore sich zusammenziehen. Er war so erregt, peinlich offensichtlich, nur weil er hier stand, weil sie da war, weil das alles wirklich passierte.

 

„Auf die Knie. Stirn auf den Boden. Hände hinter dem Rücken, Handgelenke kreuzen!"

 

Er sank sofort. Der Parkettboden war kalt und hart. Seine Stirn berührte das Holz; der Geruch von Politur und altem Wachs stieg ihm in die Nase. Er hörte ihre Schritte näher kommen, langsam, bedächtig, das Klacken der Absätze wie ein Metronom, das seine Herzschläge zählte. Dann ein leises, amüsiertes Schnauben

 

„Schon so eifrig? Das wird ja lustig....

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