
Nadja betritt das Haus nicht freiwillig.
Sie träumt es.
Am Anfang ist es nur ein Gebäude mit zu vielen Fluren, zu vielen Türen, zu vielen Etagen.
Ein Haus, das größer ist, als es von außen sein dürfte.
Die Luft ist schwer. Die Stille nicht leer, sondern lauernd.
Etwas ist immer hinter ihr. Nah genug, dass sie es spürt. Nie nah genug, um es zu sehen.
Je weiter sie geht, desto vertrauter wird alles.
Zimmer zeigen Ausschnitte aus ihrem Leben.
Kindheit. Gespräche. Orte, die sie vergessen glaubte.
Andere Räume gehören ihr nicht. Noch nicht.
Dinge, die nie passiert sind. Dinge, die passieren werden.
Das Haus verändert sich, wenn sie es versteht.
Flure verlängern sich. Türen führen zurück.
Jeder Ausweg fühlt sich echt an – bis sie ihn öffnet.
Dann wacht sie auf.
Aber das Erwachen ist keine Erlösung.
Es ist nur ein Schnitt.
Wenn Nadja wieder einschläft, ist sie wieder dort.
Im selben Haus. Immer weiter innen.
Und irgendwann weiß sie nicht mehr, ob sie gerade schläft
oder nur glaubt, wach zu sein.
Was im Haus geschieht, hinterlässt Spuren in der Wirklichkeit.
Erst Kleinigkeiten. Zufälle. Details.
Dann Namen. Zeiten. Orte.
Nadja versucht, alles festzuhalten.
Sie schreibt. Zeichnet. Merkt sich jedes Detail.
Denn das Haus vergisst nichts.
Aber sie schon.
Niemand glaubt ihr.
Man nennt es Albträume. Stress. Wahn.
Dabei will sie nicht verstanden werden.
Sie will verhindern, was kommt.
Denn das Haus zeigt ihr nicht nur ihre Vergangenheit.
Es zeigt ihr, was passieren wird.
Und je mehr sie beweist, dass sie recht hat,
desto mehr zweifelt die Welt an ihr.
Vielleicht ist das Haus kein Traum.
Vielleicht ist es die Wahrheit.
Und die Wirklichkeit nur eine Etage darunter...

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